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Geschichte von Belgrad
 
Belgrad - historisches Foto Belgrad - historisches Foto
 
Antike
 
Das Gebiet am Zusammenfluss von Save und Donau war seit der Mitte bis zum späten Paläolithikum besiedelt. Die neolithische Vinča-Kultur wurde nach einem Belgrader Vorort benannt.
 
Vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. wanderten thrakische und skythische Stämme ein, die eine erste Befestigung im 3. Jahrhundert v. Chr. durch keltische oder thrako-keltische Stämme, den Skordiskern, die durch die römische Erwähnung um 279 v. Chr. belegt ist. Die Römer latinisieren den Namen Singidun zu Singidunum, was wahrscheinlich runde Festung oder runde Stadt bedeutet.
 
Im 1. Jahrhundert v. Chr. erobern die Römer die Gebiete bis zur Donau. Neben Sirmium und Viminacium bildet Singidunum einen wichtigen strategischen Punkt an der Via Militaris und dem danubischen Limes. Durch die 86 n. Chr. zur Verstärkung der Reichsgrenzen nach Singidunum verlegte Legio IV. Flavia Felix erlebte die Römerstadt ihre Blütezeit, die durch Kaiser Hadrian in der Ernennung zum Municipium und später auch im Rang einer Colonia durch die Ansiedlung von Veteranen noch an Bedeutung gewann.
 
Singidunum war nach der Reichsteilung 395 nordöstlicher Grenzposten des östlichen Imperiums und wurde während der Völkerwanderung häufig durch die Barbarischen Völker heimgesucht. Die Stadt viel erstmalig 441 an die Hunnen und wurde noch durch die Züge der Sarmaten, Ostgoten und Gepiden verwüstet.
 
Nach 510 war Singidunum in das konsolidierte Byzantinische Reich eingegliedert, das mit der von Justinian I. betriebenen Restauratio imperii, den Donaulimes absichert. Die im Brennpunkt stehende Stadt Singidunum wurde dabei in Form eines wesentlich verkleinerten, aber mit starken Mauern befestigten byzantinischen Kastrons innerhalb des alten aufgegebenen Legions-Standlagers (Castra) erneuert. Die awaro-slawische Eroberung von Sirmium bedeutete für Singidunum die Einbindung in die Abwehrkämpfe der Balkanfeldzüge des Maurikios und war in der Zeit zentrale Operationsbasis der römischen Armee.
 
Mittelalter
 
Letztlich konnte die Landnahme der Slawen auf dem Balkan ab 612 nicht verhindert werden, wenngleich Singidunum bis 625 einen römischen Festungskommandanten hatte. Der Name Beograd (štokavisch seit ca. 1400, zuvor mit silbenschließendem -l: Bel-grad) war seit der Wanderung der Slawen Anfang des 7. Jahrhunderts etabliert. Zum ersten Mal 878 dokumentiert ist er in einem Brief des Papstes Johannes VIII. an den ersten christlichen Knjaz der Bulgaren Boris I.: episcopus Belogradensis.
 
Durch die Grenzlage blieb Belgrad auch im Mittelalter zwischen Byzanz, dem Königreich Ungarn und dem Ersten Bulgarischen Reich umstritten. 1018 verleibt Basileios I. die Stadt dem wiedererstarkten Byzantinischen Reich ein. Unter Kaiser Manuel I. werden die Mauern der Stadt 1153 in Form eines byzantinischen Kastrons erneuert. Damit wird die Nordgrenzen des Byzantinischen Reiches gegen Ungarn gefestigt und die Stadt von da an geläufig als Griechisch Weißenburg (in byzantinischen Quellen heißt die Stadt Βελιγράδον – Veligradon) bezeichnet, was noch im 16 Jh. der gebräuchliche Name Belgrads bleibt.
 
Schon 1154 berichtete der arabische Kartograf Idrisi das Belgrad eine lebhafte Stadt mit vielen Kirchen sei. Nach der Schlacht bei Sirmium ringt Manuel I. dem ungarischen König Stephan III. im Frieden von Belgrad weitreichende Gebietsverluste ab. Um die Mitte des 12. Jh. gewannen die Serben an Bedeutung. Stefan Nemanja wurde 1166 von Manuel I. der Titel Großžupan gewährt und nach Manuels Tod fiel Stefan 1183 zusammen mit dem ungarischen König Béla III. in byzantinisches Gebiet ein und eroberten Belgrad.
 
Belgrad ist während der Kreuzzüge wichtige Station der Französischen, Deutschen und Ungarischen Ordensritter auf dem Weg ins Gelobte Land. Die ersten Drei Kreuzzüge führen 1096, 1147 und 1189 durch die Stadt. 1189 verweilt Kaiser Friedrich Barbarossa nach Konrad III. als zweiter Deutscher Kaiser in Belgrad. Mehr als 700 Jahre danach besuchte auch der letzte Deutsche Kaiser die Stadt, Wilhelm II..
 
Der erste serbische König, der die Stadt regierte, war Stefan Dragutin, der von 1282 bis 1316 eine eigene Regentschaft in Konkurrenz zu seinen jüngeren Bruder Stefan Uroš II. Milutin aufbaute. Nach seinem Tod fiel Belgrad Milutin zu, doch entrissen sie ihm die Ungarn wieder unter Karl I. 1319.
 
Glanzzeit als Hauptstadt des Serbischen Despotats
 
Nach den Ereignissen auf dem Amselfeld verlagerte sich das serbische Kernland nach Norden und Stefan Lazarević (1389–1427) wich, den osmanisch-mongolischen Hegemonialstreit ausnutzend, mit der Residenz 1403 von Kruševac nach Belgrad aus. Mit den Einnahmen aus dem Erzhandel mit Venedig und Ragusa prosperierte das erstarkte Despotat, so dass Stefan Lazarević seine Residenz großzügig gestalten ließ. Die elementar erneuerte Stadt wurde in den 23 Jahren als Residenzstadt ein kulturelles Zentrum, in dem sich Händler und Handwerker wie gelehrte und wohlhabende Bürger verschiedener Nationalitäten (Ungarn, Venezianer, Ragusaner) durch Edikte des Despoten (die Bürger, die ein Siegelbrief des Despoten besaßen, waren von vielen Abgaben befreit) ansiedelten. Die Kolonien der Griechen, Zinzaren, Armenier und Ragusaner befanden sich auf einem eigenen Gebiet, dem heutigen Dorćol. In der Stadt entstehen in dieser Zeit die Residenz des Despoten, eine Bibliothek, die Belgrader Stadtkathedrale Mitropolija mit der Kirche der entschlafenen Muttergottes (Uspenija prečiste Vladičice), die Kirche der Heiligen Petka Paraskeva, das Franziskanerkloster, ein Donauhafen, ein Krankenhaus und eine für Reisende bestimmte Herberge, was durch die Erweiterung der Belgrader Stadtmauern und durch Trennung von Ober- (Residenz) und Unterstadt (Zivilstadt) ermöglicht wurde. Der Hof des literarisch aktiven Stefan Lazarević erlebte eine nachdrückliche kulturelle Blüte (Palaiologische Renaissance) und war wichtige Zuflucht- und Sammelstätte orthodoxer Gelehrter, die zur Etablierung einer bedeutenden spätmittelalterlichen Schreibschule (Belgrader Schreibschule) beitrug. In dieser Zeit lebten in Belgrad 40.000 bis 50.000 Einwohner. Zu den bekanntesten Einwohnern der Stadt gehörte der Neuplatoniker und Hagiograph Stefan Lazarevićs, Konstantin Kostenecki als wichtigster Zeuge der Erneuerung der Stadt, der Belgrad als neues Jerusalem preist: “Und wer hat je beschrieben wie die Lage, Aussehen und Schönheit Belgrads ist! (Stefan) ließ für die Menschen drinnen und draußen viel errichten; diese Bauwerke sind so gewaltig wie Salomons Tempel in Jerusalem: der Schatten der Gebäude fällt auf die Umgebung wie vom babylonischen Turm; und den Hängenden Gärten, … Diese wahrhaft zarenhafteste aller Städte war auch die schönste … und der Despot ließ auch die kaiserliche Residenz auffallend ausschmücken und um die Stadt Gräben und einen zweifachen Wall ziehen.”
 
Neuzeit
 
Türkische Eroberung und Türkenkriege
 
Der Stefan Lazarević nachfolgende Despot, Đurađ Branković musste Belgrad an den ungarischen König Sigismund zurückgegeben. Für Sultan Mehmed II. waren - nach dem Fall von Konstantinopel - Belgrad und der Abschluss der Eroberung Serbiens die Voraussetzung zum Griff nach Mitteleuropa. Am 4. Juli 1456 befehligte er die erste große Belagerung Belgrads und führte sie eigenhändig an. Die christlichen Verteidiger, geführt von Johann Hunyadi, konnten diesen Angriff der neuen osmanischen Weltmacht, vor allem durch die von Stefan Lazarevic zuvor nach Erkenntnissen Orientalischer- und Kreuzfahrerburgen ausgeführte, aufwendige Neukonstruktion der Burg, mit einer turmreichen und wassergrabenbewährten Kastellburg, mit mächtigem Donjon und einer äußeren grabenumgebenen großen Doppelmauer, mit stark geschützten Toren, nicht nur erfolgreich abwehren, sondern vielmehr den im Kampf verwundeten Sultan und das osmanische Heer in panikartiger Flucht vertreiben. Nach dem Sieg, der, nach damaliger Ansicht, das Schicksal der Christen entschied, ordnete Kalixt III. (Calictus III) das Mittagsläuten, das bis heute in allen Kirchen der Welt ertönt, an. Auch das Fest der Verklärung Christi erinnert daran, da die Nachricht über den christlichen Sieg am 6. August in Rom eintraf.
 
Erst unter Süleyman I. kann Belgrad schließlich, am 28. August 1521 eingenommen werden. Die Stadt wurde schnell zum Verwaltungszentrum des Sandschaks Smederevo und diente danach als wichtiger Stützpunkt für die Feldzüge gegen Ungarn. 1594 wurde ein serbischer Aufstand gewaltsam unterdrückt und als Rache dafür, die Reliquie des serbischen Nationalheiligen Sveti Savas auf dem Vračar, wo zur Erinnerung die Gedenkkathedrale des Heiligen im 20 Jh. errichtet wurde, verbrannt. In osmanischer Zeit war Belgrad eine wichtige Handelsstadt an der Karawanenstraße zwischen Buda und Konstantinopel in der Kaufleute und Händler unterschiedlicher Herkunft (Türken, Armenier, Griechen und Romas) lebten. Nach Evliya Çelebi hatte Belgrad 1660 98.000 Einwohner, von denen 21.000 nicht islamischen Glaubens waren. Durch die lange osmanische Herrschaft prägte das orientalische Bild die Stadt noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts.
 
Nach der erfolgreichen Abwehr der Türken vor Wien 1683 konnte die Heilige Liga im Großen Türkenkrieg die Osmanen bis hinter Belgrad zurückdrängen. Die Belagerung Belgrads unter dem Kommando von Max Emanuel endete am 6. September 1688, als die Stadt eingenommen wurde. Die Österreicher konnten Belgrad insgesamt drei Mal einnehmen (1688–1690, 1719–1739, 1789–1791) jedoch nicht dauerhaft halten. Durch die ständigen Kämpfe beginnen die Osmanen Belgrad “Dar Ul Jihad”, was so viel bedeutet wie Haus des Krieges, zu nennen.
 
1804 begannen die Serben unter Führung von Karađorđe die erste Serbische Revolution gegen die Osmanen, die sich insbesondere gegen die einflussreichen Janitscharen richtete. Die Aufständischen hielten Belgrad vom 8. Januar 1806 bis 1813. 1815 erfolgte unter Miloš Obrenović die zweite Serbische Revolution, die zu einer Anerkennung eines autonomen Fürstentums führte. Belgrad wurde mit Ausnahme der Festung, wo ein osmanisches Regiment noch bis 1867 verblieb, Bestandteil des neuentstandenen Fürstentums Serbien. Erst am 18. April 1867 verließ der letzte osmanische Festungskommandant das Fürstentum; die Residenz wurde endgültig von Kragujevac nach Belgrad verlegt, was die 346-jährige Herrschaft der Osmanen in Belgrad besiegelte. Mit den Ergebnissen des Berliner Kongresses 1878 entwickelte sich Belgrad zu einer Schlüsselstadt des Balkans, die insbesondere von einer schnellen Modernisierung der Hauptstadt begleitet wurde. Die Einwohnerzahl stieg bis 1900 auf 69.100, doch schon 1905 waren es über 80.000 Einwohner und vor dem Ersten Weltkrieg um die 100.000.
 
Besatzung und Zerstörung in den Weltkriegen
 
Der Sturz der Obrenović Dynastie 1903 veränderte das politische Klima im Königreich Serbien. Aus dem latenten Konflikt um die Vormacht im Westbalkan zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, der durch die Bosnische Annexion und die Balkankriege weiter genährt wurde, erwuchs aus dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 ein enthemmter Konflikt, der die europäische Julikrise auslöste. Der balkanische Regionalkonflikt schaukelte sich so zum Ersten Weltkrieg hoch. Belgrad wurde am 29. Juli 1914, einen Tag nach der Kriegserklärung angegriffen. Die serbischen Truppen verteidigten die Stadt letztlich erfolgreich, die zweimal von Österreich-Ungarn eingenommen wurde, aber nicht gehalten werden konnte. Durch Eingreifen des Deutschen Reiches fiel Belgrad am 9. Oktober 1915 in die Hand der Mittelmächte, die sich bis zum 5. November 1918 dort hielten.
 
Nach dem Krieg war Belgrad Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. In der Zwischenkriegszeit erlebte die Stadt ein schnelles Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum mit einer raschen Modernisierung, was 1923 einen Stadtentwicklungsplan erforderlich machte. Die Bevölkerung wuchs von 239.000 Einwohnern 1931 auf 320.000 Einwohner 1940. Das Bevölkerungswachstum zwischen 1921 und 1948 lag bei durchschnittlich 4,08 % pro Jahr. 1927 wurde in Belgrad der erste Flughafen eröffnet und 1929 nahm die erste Radiostation ihren Betrieb auf.
 
Am 25. März 1941 unterzeichnete Prinzregent Paul von Jugoslawien den Dreimächtepakt, was eine Straßenrevolte in Belgrad auslöste und als Reaktion zum deutschen Angriff am 6. April 1941 auf das Königreich Jugoslawien führte. Das schwere Bombardement der deutschen Luftwaffe zerstörte große Teile der Stadt, u. a. brannte die Nationalbibliothek aus und das Neue Schloss wurde schwer beschädigt. Schätzungsweise 1700 Menschen starben bei dem Angriff.
 
Eine Anti-Freimaurer-Ausstellung begleitete die im Sommer und Herbst 1941 beginnenden Übergriffe auf die zivile Bevölkerung. Die Belgrader Juden wurden im Messegelände in das KZ Sajmište in der Stadt, sowie am Stadtrand in das KZ Banjica deportiert. Bis Kriegsende wurden hier über 100.000 Menschen umgebracht. Die jüdische Gemeinschaft, die seit der Pestseuche 1643 am Donauhang in Dorčol im Stadtteil Stari Grad siedelte, zählte vor dem Zweiten Weltkrieg 12.000 Einwohner. Nur 1.115 überlebten die Okkupation. An den Holocaust erinnert heute ein Mahnmal beim ehemaligen jüdischen Viertel am Donauufer.
 
Der Terror an der Bevölkerung fand mit dem Erschießungsbefehl von General Franz Böhme, der deutsche Militärgouverneur in Serbien, für jeden getöteten deutschen Soldaten 100 Serben oder Juden zu erschießen, einen Höhepunkt.
 
Im Zuge der alliierten Angriffe auf die rumänischen Ölfelder bei Ploieşti wurde Belgrad als Ausweichziel am 16. April 1944 bombardiert, was 1600 Menschen das Leben kostete. Die Rote Armee und die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee befreiten Belgrad mit der Belgrader Operation am 20. Oktober 1944 und Marschall Josip Broz Tito proklamierte dort am 29. November 1945 die Föderative Volksrepublik Jugoslawien.
 
Von der sozialistischen Großstadt zur Gegenwart
 
Von 1944 bis 1991 war Belgrad sowohl die Hauptstadt des blockfreien sozialistischen Jugoslawiens als auch der Teilrepublik Serbien. Die Stadt wurde in dieser Zeit durch repräsentative Herrschaftsbauten mit Bezug auf die ehemaligen Königsresidenzen, durch den Neubau der Präsidenten Villen auf dem Dedinje sowie die repräsentativen Gestaltung der Regierungsgebäude Jugoslawiens und der modernistischen Architektur in Neu-Belgrad (Novi Beograd) geprägt. Nach dem Bruch mit der Sowjetunion 1948 sah sich Jugoslawien als Vorreiter in der Bewegung der Blockfreien Staaten. So war Belgrad vom 1. bis 6. September 1961 Gastgeberin der Gründungskonferenz dieser Bewegung.
 
Nachdem es 1968 in der Stadt bereits erste Studentenunruhen gegen die sich wieder verschärfenden sozialen Unterschiede gegeben hatte, gab es mit der Verabschiedung einer neuen jugoslawischen Verfassung 1974 und der damit verbundenen Stärkung föderativer Elemente Unruhen auf den Straßen Belgrads, die Ausdruck der Hinterfragung der politischen Richtungsvorgaben Titos in dieser Zeit waren.
 
Durch Normalisierung der Beziehungen zur Sowjetunion und die offenen Grenzen nach Westen war Belgrad in den 1970er und 1980er Jahren eine über die Staatsgrenzen hinweg bedeutende kulturelle Metropole. In der kulturell fruchtbaren Zeit eröffnet beispielsweise der Denkmalsarchitekt Bogdan Bogdanović 1977 eine liberale Sommerschule für Philosophie und Architektur. Der informelle Maler Mića Popović, auch Regisseur zahlreicher Filme sowie jugoslawische Musiker feierten im Ausland Erfolge und nehmen westliche Strömungen des New Wave auf. Als Literaturzentrum erlangt Belgrad durch politisch und künstlerisch unabhängige Autoren wie beispielsweise den einflussreichen Modernen Danilo Kiš, den politischen Dissidenten Milovan Đilas und unabhängigen Journalisten und Essayisten Dedijer eine herausragende Stellung in Osteuropa ein. Der Oktobersalon war in de Zeit eine der wichtigsten Buchmessen Europas. Belgrad wurde herausragender Veranstaltungsort von Film- („FEST“), Theater- und Tanz- („BITEF“) sowie Musikfestspielen („BEMUS“). Als Sportstadt nehmen Teams aus Belgrad an wichtigen europäischen Wettbewerben teil, gleichzeitig war die Stadt Veranstaltungsort zahlreicher internationaler Turniere. Im eigens dafür errichteten Sava Centar fand vom Oktober 1977 bis zum März 1978 die erste Nachfolgekonferenz der KSZE statt.
 
Nach dem Zerfall des Zweiten Jugoslawien 1991 wurde Belgrad Hauptstadt der neu gebildeten Bundesrepublik Jugoslawien die eine Peridode politischer und gesellschaftlicher Unsicherheit in Serbien, die durch die Unruhen vom 9. März 1991 sowie den Massendemonstrationen 1996/97 zum Ausdruck kam, einleitete. Die 1990er Jahre waren geprägt von der Niederschlagung von Bürgerprotesten und der Unterdrückung und Liquidierung oppositioneller Politiker während des Regimes von Slobodan Milosevic. Durch kriegsbedingte Mangelwirtschft und einem restriktiven Wirtschaftembargo blühten Schwarzmarkt und Kriegsgewinnlertum, was zu einer neuen Wirtschaftsschicht, den serbischen Oligarchen, auch Taikune genannt, führte. Die Krisenjahre gipfelten im Kosovokrieg mit der am 24. März 1999 beginnenden Operation Allied Force, als die NATO ihre 78-tägigen Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien begann, von der Belgrad besonders schwer betroffen war. An einzelnen Stellen sind im Stadtbild nach wie vor Kriegsruinen zu sehen, die weder abgetragen noch wiederaufgebaut wurden.
 
Am 5. Oktober 2000 stürzten revolutionär gesinnte Bürger, die sich den Protesten der Studentenbewegung Otpor anschlossen, weitgehend gewaltlos das Regime des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević in Belgrad. Dabei wurde das Parlamentsgebäude der Bundesrepublik Jugoslawien von der aufgebrachten Menge zum Teil in Brand gesetzt.
 
Vom 4. Februar 2003 bis zum 3. Juni 2006 war Belgrad Hauptverwaltungssitz der Staatenunion Serbien und Montenegro und ist seit der Loslösung Montenegros Hauptstadt der unabhängigen Republik Serbien.

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar. Quelle: Wikipedia
 

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