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Bevölkerung von Belgrad
 
Einwohnerentwicklung
 
Zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung 2002 waren etwa 1,55 Millionen Bürger in Belgrad registriert. Durch die anhaltende Bevölkerungsmigration steht der jährlichen natürlichen Bevölkerungsabnahme Belgrads von 4.000 Menschen ein jährliches Migrationssaldo von 11.000 Zuzüglern gegenüber. Nach vorläufigen Schätzungen des Städtischen Amtes für Statistik und Informatik ist die Stadtbevölkerung seit der letzten Volkszählung um 150.000 Menschen angewachsen. Damit kann heute von ca. 1,7 Mio. Menschen im engeren Stadtgebiet ausgegangen werden. Um verlässliche Zahlen zu bekommen fand bis zum 15. April 2009 eine stichprobenartige statistische Bevölkerungserhebung statt. Eine generelle Volkszählung soll 2011 durchgeführt werden.
 
Rapides Wachstum im Sozialistischen Jugoslawien
 
Die Einwohnerentwicklung in Belgrad war insbesondere durch den sehr dynamischen Verlauf nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Die Transformation Belgrads als Hauptstadt eines Agrarlandes in der Zeit des Königreichs zu einer Industriestadt im sozialistischen Jugoslawien war aber auch mit Auflösung des Staates nicht abgeschlossen. So war in Jugoslawien noch Anfang der 1990er ein Urbanisierungsgrad von nur 53 % erreicht. Mit den verbundenen Anstrengungen einer rapiden Industrialisierung und den entstanden Arbeitskräftebedarf zu decken, war der Zuzug der ländlichen Bevölkerung notwendig, was den schnellen städtischen Bevölkerungsanstieg um mehr als das zweieinhalbfache (in der Agglomeration) von 1948 634.000 auf 1999 1.621.000 erklärt.
 
Die Land-Stadt Migration war noch bis in die 1980er sehr hoch, fiel danach aber merklich ab. Während der 1980er nahm dagegen insbesondere der tägliche Pendelverkehr zu, was sich durch die nicht adäquate Verkehrsinfrastruktur und der Überdimensionierung der Stadt als nachteilige Entwicklung des schnellen Bevölkerungswachstums herausstellte. So halten sich in der Stadt heute täglich 60.000 Pendler auf, die aufgrund ihres Arbeitsplatzes, Ausbildung oder Studiums in die Stadt kommen.
 
Urbane Krise im kriegserschütterten Nachkriegs-Serbien
 
Die urbane Gesellschaft erfuhr, da auch nur ein kleiner Bevölkerungsanteil von Belgrad hier schon in der Zweiten und Dritten Generation lebt, durch Diskontinuität ökonomischer und sozialer Entwicklung, aber insbesondere durch den vermehrten Zuzug von Flüchtlingen der in den krisenhaften 1990ern im Bürgerkrieg Vertriebenen und gleichzeitigen Emigration der akademischen Bevölkerung eine rezente nachhaltige Veränderung. Zuletzt haben seit 1999 zudem weitere 136.000 Binnenflüchtlinge den Kosovo verlassen und sich in Belgrad niedergelassen.
 
Ghettoisierung der Roma
 
Seit Mitte der 1980er gehörte zu den besonders augenfälligen negativen Entwicklungen auch die Gründung großer Roma-Armutssiedlungen. Insgesamt etwa 100.000 Roma fanden insbesondere in Armutsgettos in Novi Belgrad eine Bleibe, was hier teilweise die Stadtentwicklung hemmt und zu sozialen Konflikten mit der Stadtverwaltung führte. Die größte der Siedlungen, Karton city oder Gazela liegt zwischen den Blöcken 19 und 21 am linken Saveufer unweit der Gazela-Brücke und beherbergt ca. 130 Familien mit über 1.000 Bewohnern. Über eine Umsiedlung konnte man sich auch nach langjähriger Planung immer noch nicht einigen, doch begann die Stadt Anfang April 2009 kleinere Roma Slum-Siedlungen zwangszuräumen.
 
Bevölkerungsstruktur
 
Die Serben stellen mit 1.417.187 Einwohnern die klare Mehrheit in Belgrad. Es folgen Jugoslawen (22.161), Montenegriner (21.190), Roma (19.191), Kroaten (10.382), Mazedonier (8.372) und Bosniaken (4.617).
 
Die größten Gruppen der melderechtlich in Belgrad registrierten Ausländer kommen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Die größte außereuropäische Ethnie stellen die Chinesen, die in den 1990er Jahren nach Belgrad kamen. Der Neu-Belgrader Block 70 ist unter den Belgradern als Chinatown bekannt.
 
Durch die exponierte Stellung des ehemaligen Jugoslawien in der Bewegung der Blockfreien und den guten Beziehungen zu den arabischen Staaten, kamen in den 1970er Jahren zahlreiche arabische Studenten nach Belgrad. Der größte Teil der Araber, die in Belgrad leben, ist syrischer, jordanischer oder irakischer Abstammung.
 
Religionen
 
Gemäß der Volkszählung von 2002 gehören 90,68 % der Belgrader der christlich-orthodoxen Konfession an, rund 1,03 % der römisch-katholischen und circa 0,24 % der evangelischen. Etwa 1,29 % bekennen sich zum Islam, 0,03 % zum Judentum, 2,02 % zu anderen Konfessionen und 3 % erklären sich als Nichtgläubige.
 
Belgrad ist Sitz eines orthodoxen Patriarchen (Serbisch-Orthodoxe Kirche), eines römisch-katholischen Erzbischofs und verschiedener evangelischer Landeskirchen.

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar. Quelle: Wikipedia

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